Was ist Kyusho ?

Kyusho beruht auf den Prinzipien und Erkenntnissen der Akupunktur und bildet eine Brücke zur Neurologie in der westlichen Welt.

Das Wissen um die vitalen Punkte des Körpers und wie sie in den Kampfkünsten genutzt werden, wird als Kyusho-Jitsu bezeichnet. Kyusho-Jitsu bedeutet in erster Linie Sekundenkampf oder erste Sekunde. Durch die Kenntnis der Vitalpunkte soll es möglich gemacht werden, aus einer unter Umständen lebensgefährlichen Situation körperlich und psychisch unversehrt hervorzugehen.

Beim Kyusho-Jitsu werden die energetischen und neurologischen Punkte des Körpers so manipuliert, dass dieser durch Schmerz, Kraftverlust oder Gleichgewichtsstörungen beeinträchtigt wird. Sogar ein Verlust des Bewusstseins ist möglich. Aber das Wissen um die entsprechenden Punkte kann auch zur Linderung der verschiedensten Beschwerden genutzt werden.

Wichtig ist zunächst einmal zu erlernen wie alles das, was einen Körper beeinträchtigt, auch wieder hergestellt werden kann, um Schäden von den Mittrainierenden fern zu halten.

Beim Kyusho-Jitsu ist eines der Hauptmerkmale die Punktgenauigkeit. Daher sind die Handtechniken für den Druck oder Schlag auf die Vitalpunkte das Erste was man übt um Erfahrungen für das Neue zu bekommen.

Trittmöglichkeiten auf entsprechende Punkte werden auch mit in das Training einbezogen. Diese kommen aber erst ein wenig später zur Sprache, da es auch hier, wie bei den Handtechniken, für die Wirkung entscheidend ist, genau den Vitalpunkt in einem korrekten Winkel zu treffen.

Zwar lassen sich auch hier die Grundlagen in relativ kurzer Zeit erlernen, die Perfektion der Techniken in ihrer ganzen Vielfalt wird jedoch erst nach erheblich längerer Zeit erfasst sein. Da die Nervenpunkte besonders empfindlich reagieren, ist ein Krafteinsatz eher nicht nötig. Somit sind ältere Menschen ebenfalls in der Lage, diese Techniken anzuwenden.

Das Kyusho-Jitsu unterscheidet sich zunächst in zwei Arten, die sich nach entsprechender Trainingszeit leicht erkennen lassen.

Die erste Version beschreibt eine Wirkung, die Griffe und Schläge mit einfachen und funktionalen Techniken erzielen. Dies können Nervenschocks, Traumata oder Gewebeverletzungen aber auch Sehnen- und Muskelverletzungen sein. Wesentlich genauer und feiner ist die zweite Variante des Kyusho-Jitsu. Hier wird von dem in der Akupunktur genutzten Meridiansystem ausgegangen. Dieses Wissen darüber wird genutzt und entsprechen eingesetzt. Hierzu bedarf es einer langen Übungsfase, weil es nun nicht mehr auf die mechanische Krafteinwirkung ankommt, sondern auf die Feinmotorik, mit welcher auf die Vitalpunkte eingewirkt wird.

Ebenso wie in den japanischen Kampfkünsten ist die Bedeutung der vitalen Punkte auch in chinesischen, koreanischen und indischen Kampftechniken seit jeher vorhanden gewesen. Durch die heutige sportliche Ausrichtung der Kampfstile sind diese Kenntnisse vielfach verloren gegangen.

Das Kyusho-Jitsu bietet die Möglichkeit, dieses verloren gegangene Wissen wieder in die Kampfkünste einfließen zu lassen.

Große Anpassungsfähigkeit sowie die breiten Anwendungsmöglichkeiten machen eine Übernahme von Kyusho in quasi alle Kampfkünste möglich.

Wichtige Voraussetzungen müssen jedoch unbedingt beachtet werden.

Disziplin und der Wille zu lernen sind ebenso unerlässlich wie ein fester Charakter und die geistige Reife, um verantwortungsvoll mit der Kunst umzugehen. Eine Altersbeschränkung ist nicht erforderlich bei dieser Kunst. Wer sich körperlich fit und gesund fühlt, darf Kyusho-Jitsu auch ausüben. Lediglich Personen, die an Herzerkrankungen und Epilepsie leiden, sollten am einem Training nicht teilnehmen.

Auf Okinawa wurde Kyusho-Jitsu über Jahrhunderte nur im Geheimen weitergegeben.

Begonnen wird beim Studium von Kyusho Jitsu mit den Grundlagen traditioneller Medizin in China und den vitalen Körperpunkten. Die verschiedenen Intensitäten, die auf die Punkte ausgeübt werden müssen, spielen ebenso eine Rolle, wie die Richtung und Reihenfolge aus der sie angegriffen werden müssen. Um den Körper seines Angreifers zu schwächen, werden Druckpunkte manipuliert, ohne dass Kraft in dieser Technik gebraucht wird. Das Studium der körperlichen Reaktionen auf diese Druckpunkte ermöglicht es, einen Gegner zu überwältigen und zu kontrollieren.

Gerade in unserer heutigen immer brutaleren und unzivilisierteren Gesellschaft ist es wichtig, sich selbst zu schützen.

Mittlerweile sind Angriffe auf unser Leib und Leben an der Tagesordnung und besonders öffentliche Verkehrsmittel nur noch mit einem mulmigen Gefühl betreten. Vor allem in den Abendstunden ist die Gefahr  eines Überfalls enorm angestiegen. Umso wichtiger ist es also, schnell und effizient wirksame Mittel zur eigenen Sicherheit zu erlernen. Ebenso ist es für Menschen im fortgeschrittenen Alter, die einfach nicht mehr  die körperliche oder athletische Kraft besitzen, mit der Kunst des Kyusho-Jitsu möglich, aus der Opferrolle herauszutreten. Wie oft lesen wir in den Zeitungen von Überfällen gerade auf ältere Menschen. Jeder Angreifer sucht sich selbstverständlich das augenscheinlich schwächste Opfer aus. Es soll aber nicht darum gehen, bei jedem Gegner eine Bewusstlosigkeit hervorzurufen, sondern lediglich unsere eigene Unversehrtheit ist das Ziel des Trainings zur Selbstverteidigung.